Monika und Bilder voller Liebe

Ein Buch über das Trauern in Einfacher Sprache
Tod und Trauer gehören zum Leben. Der Umgang damit wird jedoch nicht mehr selbstverständlich eingeübt, sodass im Erleben eigener Trauer oder in der Begegnung mit trauernden Menschen häufig Unsicherheiten entstehen. Aus diesem Grund plädiert die Internationale Arbeitsgruppe Sterben, Tod und Trauer für mehr Wissensvermittlung: »Mangelndes Verständnis und Wissen (über Sterben, Tod und Trauer) kann zu unnötigem Leiden, zum Verlust der Würde, zu Distanzierung und zur Verringerung von Lebensqualität führen. Deshalb müssen die Themen Sterben, Tod und Trauer wesentlicher Bestandteil aller Ebenen des Bildungsprozesses sein.«

Trauerbildung für Menschen mit geistiger Behinderung ist gegenwärtig sowohl in der Forschung als auch in der Praxis kaum im Blick. Zudem machen Menschen mit Behinderung immer wieder die Erfahrung, in ihrer Trauer nicht ernst genommen zu werden, indem sie keine ausreichenden Informationen erhalten und ihnen die Teilnahme an Trauerritualen verwehrt bleibt. Mit ihrem Buch »Monika und Bilder voller Liebe« nimmt die Autorin, Anna Tonzer, Menschen mit Behinderung und ihre Trauererfahrungen ernst und leistet den so notwendigen Beitrag zur Förderung des Verstehens von Trauer.
 
Das in einfacher Sprache geschriebene Buch richtet sich an Menschen mit und ohne Behinderung wie auch an Personen, die mit ihnen arbeiten und sie unterstützen. Basierend auf der Trauertheorie von Chris Paul erklärt Anna Tonzer auf zwei Ebenen, was in Trauerprozessen passiert.

Im oberen Teil der Seiten nimmt die Geschichte von Monika, einer 46-jährigen Frau, die in einer Wohngruppe lebt und deren Mutter gestorben ist, die Leser*innen mit auf ihren Trauerweg. Die in einfacher und klarer Sprache geschriebene Geschichte erzählt von Monikas vielfältigen, teilweise seltsamen und neuen Erlebnissen seit dem Tod ihrer Mutter. Ansprechende und verständliche Bilder unterstreichen den Inhalt. Monikas Geschichte lädt zur Identifikation ein, zur Erkenntnis: »Anderen Trauernden geht es wie mir. Ich bin nicht alleine mit dem, was ich erlebe.«

In den unteren Seitenabschnitten stellt Anna Tonzer wiederum in einfacher Sprache die Theorie des Trauerkaleidoskops von Chris Paul dar. Sie erklärt, wie Monikas Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen verstanden werden können. Zugleich benennt sie zahlreiche weitere Erlebens- und Verhaltensweisen, die in Trauerprozessen vorkommen, und macht so auf die Vielfalt und Individualität der Trauerprozesse aufmerksam. Das Wissen über allgemeine Trauerreaktionen ermöglicht die Übertragung auf andere Verlusterfahrungen.
 
Indem Anna Tonzer mithilfe der Geschichte von Monika sensibel und wertschätzend auf die Lebenswelt von Menschen mit Behinderung eingeht, schafft sie einen Raum, in dem sich Menschen mit Behinderung und ihnen nahestehende Menschen wiederfinden können. Ihr gelingt es auf wunderbare Weise, wesentliche Erfahrungen und Themen eines Trauerweges auf einfache und verständliche Art und Weise darzustellen. Dadurch fördert sie das Verstehen von Trauerreaktionen und macht Mut, sich mit Trauer auseinanderzusetzen und sie zu durchleben

Das Buch kann wärmstens empfohlen werden und ist für Menschen mit Behinderung, für alle, die mit ihnen leben und arbeiten, wie auch für Interessierte ein großer Gewinn.
 
Tonzer, Anna: Monika und Bilder voller Liebe. Ein Buch über das Trauern in Einfacher Sprache. 28 Seiten, Lambertus-Verlag 2022, 26 €.