Abschiede – Aufbruch in neue Welten

Vom Mut loszulassen und der Kraft weiterzugehen

Willkommen und Abschied: Im gleichnamigen Gedicht schildert der wortgewandte Lebenskünstler und Lebenskenner Goethe, dass es das eine nicht ohne das andere gibt; Ankunft und (Neu-)Aufbruch sind aufeinander bezogen, gleichsam zwei Seiten einer Medaille.

Abschied(nehmen) ist dabei keineswegs nur ein trauriges Thema. Es meint auch etwas sehr Positives: sich auf den Weg machen, Neues entdecken, Offensein für Ungewohntes, bewusst Neues ausprobieren und neue Haltungen erproben. Abschiednehmen durchzieht unser ganzes Leben als roter Faden.

Sicher, Abschied und Verlust sind schmerzhafte Erfahrungen. Doch oft genug richteten wir uns auch in problematischen Situationen ein, pflegten Opferrollen oder Lebensmuster, die uns nicht gut tun, neigten dazu, uns zu „verhocken“; vor diesem Hintergrund sei im Abschied eine Chance angelegt, meint Anselm Grün: „Im Abschied ist immer auch, dass etwas Neues auch in uns wächst. Schon wenn ich etwa an einen anderen Ort ziehe, neue Beziehungen eingehe ...“

Der positive Aspekt im Abschiednehmen und -geben durchzieht auch den neuen Titel des Münsterschwarzacher Benediktiners, in dem er eine stupende Vielfalt von Abschieden und Verlusten durchdekliniert: von Klimakrise und Coronaschock über den Verlust von Frieden und Sicherheitsdenken durch Krieg, Vertreibung, Migration und Flucht, zerbrechende Beziehungen und den Abschied von Lebensträumen und -idealen. Im Anschluss an die Auseinandersetzung mit Altern und Sterben („Dem letzten Abschied entgegengehen“) benennt Grün zehn Haltungen zum „abschiedlichen“ Leben: persönlich einzuüben.
Brigitte Böttner
 
Grün, Anselm: Abschiede – Aufbruch in neue Welten. 237 Seiten, Verlag Herder 2022, 22 €.
 
Mit freundlicher Genehmigung des Konradsblattes. Dort ist dieser Text das erste Mal erschienen.