Sterben ungeschminkt

Ein Gespräch ohne Tabus über Abschied, Tod und Trauer

Drei Generation machen zusammen einen Podcast zum Thema „Sterben & Trauern“. Dieser ist so erfolgreich, dass daraus ein Buch entsteht. Und so sprechen die junge Journalistin und Podcasterin Lea Reinhard und ihr Vater Michael Reinhard, ebenfalls Journalist und Podcaster, mit dem renommierten Theologen und Psychologen Prof. Dr. Ernst Engelke, einem Mitbegründer der Hospiz- und Palliativbewegung, über die Situation Sterbenskranker, ihrer Angehörigen und Freundinnen / Freunde sowie der Ärztinnen / Ärzte und Pflegekräfte.

Herausgekommen ist eine kurzweilige Lektüre, die stets sachlich fundiert und respektvoll der Thematik gegenüber ist und dennoch mit lockeren Kapitelüberschriften wie: „Warum das Lieblingswort von Sterbenden ‚Scheiße‘ ist“ oder „Delikater Trost: Wie eine Dose Wurst das Trauern lindern kann!“ zum Lesen einlädt. Sie lebt vor allem davon, dass viele persönliche Erlebnisse geschildert werden, und dass die Gesprächspartner*innen unterschiedlich alt sind.
 
Zusammen thematisieren sie zu Beginn, ob junge Menschen anders als alte Menschen sterben oder ob Menschen, die sich zeitlebens mit dem Tod beschäftigt haben, leichter gehen können.
Denn klar ist: Sterbenskrank zu sein bedeutet, dass der Lebensrhythmus aus dem Takt gerät – jener der Patientinnen und Patienten, aber auch jener der Angehörigen sowie Freundinnen und Freunde. Es ist bewegend zu lesen, welche Antworten es auf die Fragen gibt, was wir von der Weisheit Sterbenskranker lernen können, warum ein bewusster Abschied von einem Toten / einer Toten wichtig ist, und wie man trauernde Menschen gut begleiten kann.
Aber auch der Blick auf die professionelle Seite kommt nicht zu kurz: Was gestaltet sich schwierig in der Begegnung von Ärztinnen / Ärzten und ihren Patientinnen / Patienten? Was muss sich ändern, damit sich die Situation für beide Seite verbessert? Wie verarbeiten Pflegekräfte den täglichen Umgang mit Schmerz, Leid, Wut und Trauer?
 
Am Schluss des Buches wird zum einen auf die Frage nach dem Suizid am Lebensende als einer Handlungsalternative eingegangen. Die Leserinnen und Leser erfahren u. a. was ein präsuizidales Symptom ist und wie man ihm begegnen kann. Zum anderen wird ein Resümee gezogen und vor allem Prof. Dr. Engelke erläutert aus seiner jahrelangen Erfahrung, wie ein gutes Zukunftsszenario für Sterbende sowie für ihr privates und professionelles Umfeld aussehen kann. Warum dafür Pflegende jene um Hilfe bitten sollten, die noch pflegebedürftig werden können, ist nachzulesen in diesem äußerst empfehlenswerten Buch.
 
Engelke, Ernst / Lea Reinhard / Michael Reinhard: Sterben ungeschminkt. 175 Seiten, Herder-Verlag 2025, 22 €.
Es ist auch als e-book erhältlich. Den Link zu dem Buch finden Sie hier.
 
Text: Simone Böhnert