Sterbewelten

Die Perspektive der Betroffenen auf ‚Gutes Sterben‘

Lange Zeit wurde über das Sterben nicht gesprochen – nicht mit Betroffenen und auch nicht mit Angehörigen. Erst in den letzten Jahren hat sich durch die moderne Hospizbewegung gezeigt, wie wichtig es ist, ihnen eine Stimme zu geben.

Im Rahmen eines österreichischen Forschungsprojektes wurden daher 32 qualitative Interviews mit Personen geführt, die mit dem Sterben konfrontiert waren. Die Herausgeberinnen und Herausgeber sowie die Autorinnen und Autoren des Buches wollten herausfinden „wie eine Annäherung an die Bedürfnisse der Betroffenen möglich ist und umgesetzt werden kann und wie Selbstbestimmung am Lebensende gefasst und interpretiert werden muss“.
Sie fragen zudem danach, ob Menschen mit Demenz anders sterben, wie Sterben als sozialer Prozess aussieht, und wie professionell Sorgende auf die Ergebnisse der Interviews blicken.
 
Herausgekommen ist ein dichtes, gut lesbares Buch, das die wissenschaftliche Perspektive auf Sterbediskurse ebenso wenig vernachlässigt wie die berührenden Aussagen der Betroffenen: Sind Sterbeorte am Lebensende wichtiger als soziale Beziehungen und Sorgenetzwerke? Und wie bedeutend für die Beurteilung eines guten Sterbens, ist das Gefühl, möglichst autonom bis zum Lebensende handeln und entscheiden zu können?
 
Das Werk beschäftigt sich auch mit der Frage nach dem assistierten Suizid und der Tötung auf Verlangen als gesellschaftliche Herausforderung in Österreich.
Zahlreiche Handlungsempfehlungen, die sich aus den Interviews für Politik, Institutionen und Zivilgesellschaft ergeben haben, runden das Ganze ab.
 
„Sterbewelten“ ist ein facettenreiches Buch, dessen Ergebnisse dazu beitragen können, Menschen ein gutes Sterben zu ermöglichen und die hospizliche, palliative und gesellschaftliche Diskussion über Lebens- und Sterbewelten zu bereichern.
 
Heimerl, Katharina u. a. (Hrsg.): Sterbewelten. 288 Seiten, hospiz verlag 2021, 29,99 €. Den Link zu dem Buch finden Sie hier.
 
Text: Simone Böhnert