»Ich melde mich hiermit vom Leben ab«

Kultur und Faszination von Todesanzeigen. Veranstaltung - 13.10.2021

Der Umgang mit Tod und unseren Toten unterliegt einem immerwährenden Wandel. Bestattungsformen verändern sich, aber auch die Bekanntmachungen des Todes, etwa durch Todesanzeigen unterliegen einem kulturellen Wandel.
 

Am Abend des 13. Oktober 2021 informierten die Psychologin Margit Schröer und Ärztin Susanne Hirsmüller in einem erfrischenden und kenntnisreichen Vortrag über Entwicklungen im Bereich der Todesanzeigen. Aus ihrer Sammlung von über 80.000 Todesanzeigen aus deutschen Tageszeitungen der letzten rund einhundert Jahre brachten die beiden Referentinnen viele Beispiele mit und beobachteten Entwicklungen und Veränderungen.
 
So waren bis vor einigen Jahren Todesanzeigen meist standardisiert und schwarzweiß. Häufig mit einem Kreuz als Symbol für Auferstehung geschmückt, dienten die Anzeigen lange Zeit dazu, den Tod bekannt zu machen. Für heute beobachten Hirsmüller/Schröer den Trend zu stark individualisierten Anzeigen, bisweilen bunt und mit Sinnsprüchen und weniger mit Bibelzitaten versehen. Auch interessant: Das Wort »gestorben« ist in heutigen Todesanzeigen nur noch selten zu lesen.
 
Als eher ungewöhnlich bezeichneten die Referentinnen die Todesanzeige des 2016 verstorbenen Hubert Martini, der mit den Worten »Ich melde mich hiermit vom Leben ab« seinen Tod in einer Anzeige selbst bekannt gab.

Verena Wetzstein