„All hands on deck!“

Veranstaltung - 02.-04.07.2025

„Wenn die Welt zusammenbricht …“ – unter diesem Titel luden die Veranstalter zu den 26. Süddeutschen Hospiztagen in die Katholische Akademie Freiburg ein. Rund 150 Teilnehmende aus Hospizdiensten, Palliative Care, Seelsorge, Pflege und Bestattungskultur kamen zusammen, um drängende Fragen unserer Zeit zu diskutieren: Wie kann hospizliches Denken und Handeln Orientierung bieten, wenn die Welt im Großen wie im Kleinen ins Wanken gerät?

Bereits zur Eröffnung war spürbar: Die Stimmung war lebendig, zugewandt, offen – getragen von dem Wunsch, sich nicht nur fachlich weiterzubilden, sondern auch gemeinsam nach Wegen zu suchen, wie aus Krisen Verantwortung und Hoffnung erwachsen kann.
 
„Hospizarbeit ist politisch“ – Prof. Dr. h. c. Cornelia Füllkrug-Weitzel eröffnet die Tagung
Den inhaltlichen Auftakt gestaltete Prof. Dr. h. c. Cornelia Füllkrug-Weitzel, Pfarrerin und ehemalige Präsidentin von Brot für die Welt. Mit ihrem leidenschaftlichen Impuls schlug sie den Bogen von globalen Krisen zu unserer Verantwortung im Konkreten. „All hands on deck“ – dieser Weckruf wurde zum Motto der Tagung. Hospizarbeit, so Füllkrug-Weitzel, sei mehr als eine Sorgepraxis – sie sei eine Haltung, eine kulturelle und politische Kraft. In einer Zeit gesellschaftlicher Polarisierung gehe es darum, aufzustehen für sterbende Menschen, für trauernde Menschen und für eine mitfühlende Gesellschaft.
 
Raum für Trauer – Stärke für die Gesellschaft
Am Donnerstagvormittag erinnerte Chris Paul, renommierte Trauerbegleiterin und Autorin, eindrücklich daran, dass Trauer nicht nur privat, sondern auch gesellschaftlich wirksam ist. „Wo Trauerwissen Raum bekommt, wächst Menschlichkeit“, betonte sie – und forderte selbstbewusst ein stärkeres Profil für die Hospizkultur im öffentlichen Diskurs. Trauerwissen, so ihre zentrale These, könne zum Lernort werden: für den Einzelnen, aber auch für das gesellschaftliche Miteinander.
 
Im anschließenden Vortrag sprach Prof. Dr. Sabrina Müller, Theologin an der Universität Bonn, über Hoffnung – nicht als naive Erwartung, sondern als gelebte Präsenz. „Hoffnung ist da, wo jemand nicht wegläuft“, sagte sie – und berührte damit viele. Wer bleibt, wenn es schwierig wird, wer aushält, wer zuhört: Diese Haltung sei das Fundament hospizlicher Begleitung – und vielleicht das, was unsere Welt am meisten braucht.
 
Prof. Dr. Sabrina Müller (rechts) im Gespräch
 
 
Begegnung, Austausch, Resonanz
Die Pausen waren erfüllt von Gesprächen – angeregt, tief, manchmal auch tröstlich oder klärend. In den Workshops vertieften die Teilnehmenden Themen wie Schuld in der Trauerbegleitung, professionelle Nähe, kulturelle Vielfalt in der Hospizarbeit oder die Frage, wie Nachhaltigkeit auch im hospizlichen Kontext eine Rolle spielt. Besonders intensiv wurde auch über den Umgang mit rechtsideologischen Haltungen diskutiert – ein Zeichen dafür, dass die Hospizbewegung auch gesellschaftspolitisch verantwortlich ist.
 
Ein weiterer Höhepunkt des Tages war der Live-Vortrag des Naturfotografen Klaus Echle gemeinsam mit dem Mundolgia-Geschäftsführer David Hettich. Mit atemberaubenden Bildern zeigten sie die „Wildnis vor der Haustür“ – eine poetische Einladung, das Leben in seiner Schönheit, Bedrohtheit und Verletzlichkeit zu sehen.
 
 
Verantwortung übernehmen – und weiterdenken
Am Freitagvormittag führte Dr. Klaus Ritter durch ein dynamisches Open Space Format, in dem die Teilnehmenden eigene Themen einbrachten: Wie positionieren wir die Hospizarbeit als gesellschaftlichen Akteur? Wie gewinnen wir junge Menschen für dieses Feld? Wie gehen wir mit Todeswünschen um? Welche Veränderungen stehen an? . Die Gespräche waren konzentriert und engagiert – viele verließen die Runde mit dem Eindruck: Es ist Zeit zu handeln.
 
Fazit: Eine Tagung, die bewegt – und motiviert
Die 26. Süddeutschen Hospiztage waren mehr als eine Fortbildung. Sie waren ein Resonanzraum – für Zweifel und Ermutigung, für Austausch und Zukunftsfragen. Es wurde deutlich: Hospizarbeit ist relevant – persönlich, kulturell, gesellschaftlich. Und sie braucht Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
 
Der Ruf nach Engagement klang in vielen Stimmen nach. Die Teilnehmenden zeigten sich bewegt, gestärkt – und ermutigt, „nicht wegzulaufen“, sondern präsent zu bleiben. Für die Sterbenden. Für die Trauernden. Und für eine Welt, die sich nach Menschlichkeit sehnt.

All hands on deck!