„Es geht um Haltung, wenn wir über Kommunikation sprechen“

Rückblick auf eine Online-Veranstaltung

Der Online-Vortrag „Kommunikation mit Menschen mit Demenz“, zweiter Vortrag in der Reihe „Demenz“, verantwortet von Veranstaltern in der Erzdiözese Freiburg, erwies sich mit rund 370 Teilnehmenden als außerordentlich gut besuchte und inhaltlich überzeugende Veranstaltung. 

Die große Resonanz und die durchweg positive Rückmeldung der Zuhörenden unterstreichen die hohe Relevanz des Themas.
 
Eine Frau mit einem Headset
Prof. Dr. Sabine Engel führte mit großer fachlicher Klarheit und spürbarer Praxiserfahrung durch den Abend. Als Professorin für Gerontologie und Psychologie an der KH Paderborn sowie Psychogerontologin in der Gedächtnissprechstunde bringt sie sowohl wissenschaftliche Expertise als auch unmittelbare Einblicke in die Lebenswelt von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen mit. Auf dieser Basis hat sie das Schulungsprogramm „EduKation demenz®“ entwickelt – eine wissenschaftlich evaluierte Unterstützung für Angehörige, die bundesweit Anwendung findet.
 
Im Zentrum ihres Vortrags stand die Bedeutung einer einfühlsamen, personenzentrierten Kommunikation. Engel betonte, dass Demenz nicht nur als kognitive Einschränkung zu verstehen ist, sondern zutiefst die Identität des Menschen berührt. Das eindrückliche Zitat der Patientin Auguste D. – „Ich glaube, ich habe mich verloren“ – verdeutlichte diese existenzielle Dimension. Kommunikation könne die Erkrankung zwar nicht aufhalten, wohl aber das Gefühl stärken, weiterhin „man selbst“ zu sein: Kommunikation, so die Botschaft von Sabine Engel, ist weit mehr als das gesprochene Wort. Gerade bei Demenz geht es um Identität – um das tiefe menschliche Bedürfnis, sich selbst nicht zu verlieren. Auch wenn einfühlsame Kommunikation die Demenz nicht heilen kann, so kann sie doch dazu beitragen, dass sich Betroffene weiterhin als die Person erleben, die sie sind.
 
Besonders eindrücklich war Engels Erklärung des Eisberg-Modells: Hinter jedem Verhalten stehen Bedürfnisse. Diese zu erkennen erfordert Einfühlung – und die Bereitschaft, sich auf das Gegenüber einzulassen. Haltung spielt dabei eine entscheidende Rolle: einfühlsam sein, Ressourcen sehen und den Menschen mit Demenz konsequent in den Mittelpunkt stellen.
 
Der Vortrag sprach Fachkräfte wie Angehörige gleichermaßen an und machte Mut, sich auf diesen Weg einzulassen. Er zeigte: Gute Kommunikation ist lernbar – und sie kann den Alltag mit Demenz für alle Beteiligten spürbar verbessern.
 
Der Onlinevortrag war Teil einer Veranstaltungsreihe des FORUM älterwerden der Erzdiözese Freiburg e. V. in Zusammenarbeit mit der Katholischen Akademie Freiburg und dem Referat Inklusion‒Generationen im Erzbischöflichen Seelsorgeamt Freiburg. Die Veranstaltungen finden im Rahmen des Palliative Care Forums ‒ einer Initiative der Erzdiözese Freiburg ‒ statt.