Studie: Trauer in der Pandemie

16.02.2022 | Großes Bedürfnis nach Seelsorge

Eines der Themenfelder des Palliative Care Forums bildet das Themenfeld der Trauerbegleitung. In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Caritaswissenschaft der Universität Freiburg und dem Lehrstuhl für Medizintheorie an der Universität Witten/Herdecke hat das Palliative Care Forum ein wissenschaftliches Projekt zur Erforschung der Situation von Trauer und Trauerbegleitung in der Pandemie auf den Weg gebracht.

Ziel ist es, mit Erkenntnissen aus den Erfahrungen im Umgang mit Trauer während der Pandemie weitere Überlegungen und Initiativen zur Trauerbegleitung in der Erzdiözese Freiburg anzustoßen.
 
Ein Baustein dazu bildet eine Studie, die von Prof. Dr. Klaus Baumann (Universität Freiburg) und Prof Dr. Arndt Büssing (Universität Witten/Herdecke) durchgeführt wurde und aus der jetzt erste Ergebnisse veröffentlicht wurden. Die jetzt vorliegende Auswertung befasst sich mit der Frage nach dem Bedarf an seelsorgerlicher bzw. psychologischer Unterstützung von trauernden Angehörigen unter den Bedingungen der Corona-Pandemie. Gerade in den ersten Monaten der Pandemie war es Angehörigen kaum möglich, sterbende Familienmitglieder und Freunde auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Vielfache Besuchsverbote und Besuchsbeschränkungen haben dies verhindert. In ähnlicher Weise wurden Trauerfeiern und Beerdigungen lange Zeit in der Pandemie nur auf einen kleinen Kreis begrenzt; Trauerbegleitungen fanden kaum oder lediglich kontaktarm – online oder per Telefon – statt. Die quantitative Online-Studie ging den Fragen nach, wie Angehörige unter diesen besonderen Umständen mit ihrer Trauer umgehen und ob bzw. welchen Bedarf sie an seelsorgerlicher bzw. psychologischer Unterstützung erfahren bzw. vermisst haben.
 
Die ersten Ergebnisse der Studie zeigen ein ausgesprochen großes Bedürfnis trauernder Angehöriger nach Seelsorge und Begleitung im Trauerprozess: Der hohe Anteil von 68 % der Studienteilnehmenden äußerte das Bedürfnis nach seelsorgerlicher Begleitung. Gleichzeitig bemängelte der Großteil der Teilnehmenden der Studie das Fehlen von Seelsorgerinnen und Seelsorgern in Zeiten der Pandemie – sie waren für die Betroffenen selten erreichbar. Baumann/Büssing schließen daraus: „Es lässt sich eine klare Notwendigkeit aufzeigen, auch unter belastenden Situationen die Angehörigen mit ihrer Trauer nicht allein zu lassen.“
 
Ulrike Hudelmaier, Referentin für Trauerpastoral im Erzbischöflichen Seelsorgeamt, Partnerin des Palliative Care Forums, dazu: „Die ersten Ergebnisse der Studie fordern uns als Kirche dazu auf, seelsorgliche Angebote für Trauernde leichter zugänglich zu machen und auszubauen. Denn die Begleitung trauernder Menschen ist eine zutiefst christliche Aufgabe. Ich freue mich, dass Prof. Baumann und Prof. Büssing pastorale Aspekte in die Studie aufgenommen haben, und bin schon sehr gespannt auf die weiteren Ergebnisse.“
 
Die ersten Ergebnisse der Studie sind veröffentlicht in der Zeitschrift Spiritual Care und hier einsehbar:  LINK