Das Triptychon, ein dreigeteiltes Bild, ist häufig auf Flügelaltären zu sehen. Es ist so konzipiert, dass die drei Teile des Bildes eine Einheit bilden, z. B. am Hochaltar im Freiburger Münster oder am Dresdener Marienaltar. Um die Verbundenheit verschiedener Zeiten der Trauer – der Sterbetrauer, der Todestrauer und der Weiterlebetrauer – und deren gegenseitige Prägung darzustellen, greift Ruthmarijke Smeding in ihrem Trauermodell das Format des Triptychons auf [1].
Das Triptychon der Trauer
Wie gute Begleitung sterbender Menschen den weiteren Trauerprozess prägt
Das Triptychon der Trauer ermutigt zu einer bewussten Gestaltung der Zeiten vor und nach dem Tod und plädiert für eine Zusammenschau von Sterben, Tod und Trauer.
Das »Triptychon der Trauer« zeigt, was die Zeiten vor und nach dem Tod miteinander zu tun haben und wie sich dabei die Beziehung zwischen dem Sterbenden/Verstorbenen und den Angehörigen verändert:
In der Sterbetrauer werden die kranke/sterbende Person und ihre Mitmenschen immer wieder mit Abschieden konfrontiert. Das kann z. B. der Abschied von der Mobilität sein, wenn gemeinsame Ausflüge nicht mehr möglich sind, oder der Abschied von Fähigkeiten zur Bewältigung des Alltags oder vom bisherigen intellektuellen Gedankenaustausch mit Menschen mit Demenz.
Wenn die Trauer über diese Verluste, das Sterben und der Tod thematisiert werden, kann dies für den weiteren Trauerprozess hilfreich sein. Das ehrliche Sprechen über den bevorstehenden Tod, Worte des Dankes an die sterbende Person, die Erfüllung eines letzten Wunsches, die Klärung eines noch nicht gelösten Konfliktes oder die gemeinsame Auswahl von Texten für die Todesanzeige und Beerdigung sind Beispiele dafür. Begleitende Personen (Pflegende, Ärztinnen und Ärzte, Seelsorgende etc.) können durch ihr Dasein, durch Rituale oder durch Informationen über das Sterben und Trauern bereits in der Zeit vor dem Tod »Trittsteine« vorbereiten. Trittsteine sind Erfahrungen, die im weiteren Verlauf des Trauerprozesses Halt geben. »Trittsteine für den Trauerweg sind Möglichkeiten zum Festhalten, zur ersten Orientierung, oder zur ersten Beruhigung alles noch getan zu haben auf dem langen Weg der Trauer, auf dem der Betroffene lernt, sein Leben neu zu gestalten.«[2] Werden in der Sterbe- und in der darauf folgenden »Todestrauer« Trittsteine ermöglicht, können sie sich im weiteren Trauerprozess als hilfreich erweisen.
In der Mitte des Triptychons befindet sich die Todestrauer. Diese Zeit zwischen Tod und Bestattung ist für viele An- und Zugehörige sehr wichtig. Der Körper der verstorbenen Person ist meistens noch da, so dass mit den Sinnen (Sehen, Berühren) Abschied genommen und die Wirklichkeit des Todes begriffen werden kann. Nach und nach werden die An- und Zugehörigen und die verstorbene Person voneinander getrennt (Abholung durch den Bestatter, evtl. Aufbahrung in der Trauerhalle, Schließen des Sarges). Auch die in dieser Zeit gemachten Erfahrungen haben Einfluss auf den weiteren Trauerprozess und können zu Trittsteinen werden.
Die Weiterlebetrauer bezieht sich auf die Zeit nach der Bestattung. Die bewusste Erfahrung des Verlustes und das Suchen nach einem Weg zur Gestaltung des Lebens ohne die verstorbene Person prägen die Weiterlebetrauer. Hilfreich empfundene Erfahrungen in der Sterbe- oder Todestrauer (Trittsteine) können nun Kraft schenken: »Ich bin so froh, dass ich meinen Mann so oft besucht habe und in der Sterbestunde dabei sein konnte.« Beim plötzlich eintretenden Tod fällt die Sterbetrauer weg, was oft Einfluss auf die Weiterlebetrauer hat.
[1] Vgl. zum Triptychon der Trauer: Jürgen Burkhardt/Ruthmarijke Smeding, Qualifizierte Seelsorge durch Trauerbegegnung und Trauerbegleitung. Grundzüge eines Konzeptes für das pastorale Handeln im »Triptychon der Trauer«, S. 23-35, in: Jürgen Burkhardt/Rita Krebsbach/Christoph Rüdesheim (Hg.), Jedes Sterben ist ein Riss. Seelsorge in der Begegnung mit Trauernden, Ostfildern 2016, S. 21-64.
[2] Ruthmarijke E. W. Smeding / Margarete Heitkönig-Wilp (Hg.), Trauer erschließen – eine Tafel der Gezeiten, Wuppertal 2005, S. 158.
Ulrike Hudelmaier, Referentin für Trauerpastoral im Erzbistum Freiburg

