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Suizidhilfe und hospizliche Haltung

In Bad Herrenalb sind die 24. Süddeutschen Hospiztage zu Ende gegangen. Sie standen in diesem Jahr ganz im Zeichen der aktuellen Diskussion um den assistierten Suizid. Mehr als 140 Haupt- und Ehrenamtliche nahmen sich des Themas vom 21.-23.06.2023 in Vorträgen, Workshops und Gesprächen an.

Seit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts 2020, die Beihilfe zur Selbsttötung neu zu regeln, stellt dieses Thema die Einrichtungen der Hospizbewegung vor große Herausforderungen, sind sie doch angetreten, Menschen bis zuletzt zu begleiten. Sterben in Würde, das bedeutet aus ihrer Sicht, Menschen nicht alleine zu lassen und alles zu tun, damit sie die letzte Lebenszeit als gut und erfüllend erleben können.  
 
Ganz gleich, ob Vortrag, Podiumsdiskussion oder Workshop, den Teilnehmer/innen wurde die Möglichkeit der Reflektion und Auseinandersetzung geboten. Dies zog sich als roter Faden durch die Süddeutschen Hospiztage.
 
Die zahlreichen Beiträge der Referent:innen gaben ausreichend Anregung dazu. „Es ist notwendig, klar Position zu beziehen“, wie Josef Raischl vom Christophorus Hospiz Verein in München vorschlägt. Der Verein schließt eine Begleitung bei Suizidhilfe aus.
 
 
 
Aus theologisch-ethischer Sicht argumentierte der kürzlich auf den Freiburger Lehrtsuhl berufene Jochen Sautermeister: „Die Aufforderung, Suizidhilfe zu leisten, ist eine moralische Zumutung.“
 
 
 
 
„Wenn sich Menschen den Tod wünschen, wünschen sie sich vor allem jemanden, der ihnen zuhört“, so Sr. Dr. Ulla Mariam Hoffmann OSB, Palliativmedizinerin am Benedictus Krankenaus Tutzing.
 
 
 
Benno Bolze, Vorsitzender des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes betonte die Notwendigkeit der Suizidprävention, die auf gesamtgesellschaftlicher Ebene eine wesentliche Bedeutung hat und durch ein Gesetz gestärkt werden sollte.
 
 
In acht Workshops ging es u. a. um folgende Fragen: Wie ist die Situation der Hinterbliebenen nach Suizid? Welchen Beitrag zur Begleitung können Seelsorge oder Spiritual Care leisten? Wie kann man angemessen mit Todeswünschen umgehen? Auch juristische Fragen wurden besprochen.
 
Bei den Süddeutschen Hospiztagen stand traditionell neben dem vielfältigen Programm auch die persönliche Begegnung im Vordergrund.
Im Team der Veranstalter war man sich einig: Die Süddeutschen Hospiztage 2023 waren eine gelungene Veranstaltung.
 
Veranstalter/innen der jährlich stattfindenden Süddeutschen Hospiztage waren in diesem Jahr die Evangelische Akademie Baden, das Diakonische Werk Baden, der Hospiz- und Palliativverband Baden-Württemberg e. V., der Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg und die Katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg.