Die von Prof. Dr. Arndt Büssing (Universität Witten) und Prof. Dr. Klaus Baumann (Universität Freiburg und dem Palliative Care Forum eng verbunden), erstellte Studie zu Verlust- und Trauererfahrungen unter den Bedingungen der Corona-Pandemie und der Bedeutung der Unterstützung durch das Behandlungs- und Pflegeteam (original: »Experience of loss and grief among people from Germany who have lost their relatives during the pandemic: the impact of healthcare professionals' support«) zeigt, wie bedeutsam die Unterstützung der Angehörigen sterbender Menschen durch das Behandlungs- bzw. Pflegeteam ist.
Trauerprozesse
Unterstützung durch das Pflegeteam hilft bei Trauerprozessen
An der zwischen Juli 2021 und Mai 2022 durchgeführten Studie nahmen Trauernde teil, die seit Beginn der Corona-Pandemie einen Menschen verloren hatten. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen war es damals oft nicht möglich, Sterbende zu besuchen und sich angemessen von ihnen zu verabschieden. Eines der Anliegen der Studie war es, zu erkennen, welchen Einfluss die Möglichkeit persönlicher Besuche auf den Trauerprozess der Angehörigen hatte. Zudem richtete die Studie den Blick auf die Unterstützung der Angehörigen durch das Behandlungs- bzw. Pflegeteam.
Als Ergebnis halten die beiden Autoren u.a. Folgendes fest:
- Die Möglichkeit persönlicher Besuche kurz vor dem Tod der nahestehenden Person wurde von den meisten Angehörigen als emotionale Unterstützung für sich selbst (72 Prozent) und hilfreich bei der Trauerbewältigung (75 Prozent) empfunden. Wenn dies nicht möglich war, war die emotionale Belastung deutlich höher.
- Ob ein Besuch möglich war oder nicht, hatte jedoch keinen signifikanten Einfluss auf komplizierte Trauer[1]. Vielmehr scheinen das psychische Wohlbefinden sowie der Beziehungsstatus entscheidendere Faktoren zu sein. Denn Menschen, die aufgrund der Pandemie und anderer Gründe psychisch stark belastet waren, neigten eher zu komplizierten Trauerreaktionen.
- Für die Angehörigen war die Unterstützung durch das Behandlungs- bzw. Pflegeteam von großer Bedeutung. Die Angehörigen redeten mit den Teammitgliedern über organisatorische Fragen (33 Prozent), über den Sterbeprozess (29 Prozent) wie auch über Abschied und Trauer (19 Prozent). Informationen über seelsorgliche Angebote oder Trauerbegleitung wurden selten gegeben (12 Prozent).
In der abschließenden Diskussion und den Schlussfolgerungen plädieren die Autoren für die Einbeziehung der Pflege- und Behandlungsteams in die Grundversorgung für Trauernde wie dies bereits in der WHO-Definition der Palliativversorgung vorgesehen ist. Denn die Gesundheitsdienstleister leisten eine wichtige Unterstützung zu Beginn des Trauerprozesses. Zudem weisen die Autoren auf die Notwendigkeit der Bereitstellung von Informationen zur Trauerbegleitung hin, damit Trauernde nicht allein gelassen werden.
Ulrike Hudelmaier
Die Publikation zur Studie ist online verfügbar und kann hier heruntergeladen werden.
[1] Von komplizierter Trauer spricht man, wenn die Alltagsbewältigung längere Zeit nach dem Tod der nahestehenden Person nicht möglich ist, die Trauer das Leben nach wie vor stark prägt und Momente der Hoffnung und Freude weit entfernt sind.

