Einzug in ein stationäres Hospiz

Ein Beitrag in der jüngsten Ausgabe des Leidfadens

Leidfaden, das Fachmagazin für Krisen, Leid und Trauer, erscheint viermal im Jahr. Längst bietet die Zeitschrift, ursprünglich als Fortbildungsorgan für Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter konzipiert, mit ihrem breiten Themenspektrum ein wertvolles Organ für alle, die sich professionell, ehrenamtlich und aus eigenem Interesse den Themen Sterben, Tod und Trauer zuwenden. Im jüngsten Heft reflektiert unter anderem Margit Gratz, Theologin und Palliative Care-Fachkraft, die Situation beim Einzug in ein stationäres Hospiz – für Menschen an ihrem Lebensende, für Mitarbeitende und Angehörige.

Als langjährige Leiterin eines Hospizes weiß Margit Gratz, worüber sie schreibt: „Einzug in ein stationäres Hospiz. Ein Blick aus der Praxis auf einen Wendepunkt“. In ihrem beruflichem Leben im Hospiz hat Gratz viele Menschen beim Einzug begleitet. Als „Wendepunkt“ im Leben wird hier der Zeitraum von der Abholung – von zu Hause oder vom Krankenhaus – über den Transport bis in den ersten Tag im Hospiz betrachtet: „Nichts ist mehr wie es vorher war, alles, was im Leben Sicherheit und Orientierung gibt, was als persönliche Lebenslandkarte vertraut ist, ist anders.“ Gleich, ob der Einzug für den einzelnen eine Erschütterung darstellt oder eine Erleichterung, endlich einen Ort gefunden zu haben, an dem rund um die Uhr die Versorgung gewährleistet ist – ein Wendepunkt, der eine „essenzielle biografische Veränderung darstellt“, ist der Einzug ins Hospiz allemal.
 
Begleitung und Beratung kommt die Aufgabe zu, eine „neue Perspektive in der veränderten Lebenssituation unter den veränderten Lebensbedingungen“ zu finden. Hospizarbeit und Palliative Care spielen, so Gratz, beim Einzug eine besondere Rolle, „denn die verbleibende Lebenszeit ist nun begrenzt. […] Der Weg führt nicht mehr zurück in das Leben, sondern aus dem Leben hinaus.“ Aus der Perspektive, die Bedürfnisse und Nöte der Patientinnen und Patienten im Blick zu haben, beschreibt Gratz Strategien für Angehörige und Mitarbeitende, um den Gästen im Hospiz Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen. Das kann das Mitbringen von persönlichen Gegenständen ebenso sein wie die Zusage, dass nach dem Einzug nochmals ein Besuch in der Wohnung zuhause möglich ist. Bewältigungsstrategien, das ist Gratz wichtig, sind „so individuell wie die Menschen selbst und wollen vom Personal als solche in den Blick genommen werden".
 
Beim Einzug in ein Hospiz, resümiert die Autorin, gibt es „begleitungswürdige Aspekte bei allen Beteiligten und auf allen Ebenen: physisch, psychisch, sozial und spirituell. Sie ermuntert Mitarbeitende besonders dazu, eine „tiefergehende einrichtungsinterne Auseinandersetzung mit dem Thema Gestaltungsspielraum rund um den Einzug auszuloten und zu nutzen“.
 
Margit Gratz gebührt dafür Dank, dass sie sich in ihrem sensibilisierenden Beitrag einem sensiblen Thema der palliativen und hospizlichen Praxis zuwendet, es für Mitarbeitende wie auch für Angehörige erschließt und zu einem sprachfähigen Thema macht.
 
Margit Gratz, Einzug in ein stationäres Hospiz. Ein Blick aus der Praxis auf einen Wendepunkt, in: Leidfaden. Fachmagazin für Krisen, Leid und Trauer, 13 (2024), Heft 2, Seite 45-51. ISBN: 978-3-525-80627-2