Gesprächsgestaltung am Lebensende. Worte finde, wo es still wird.

Buch-Rezension

Dr. Matthias Wiemer ist Coach und Berater. Er begleitet als ehrenamtlicher Hospizhelfer Menschen am Lebensende und in der Trauer. Dabei hat er immer wieder festgestellt, dass Menschen, die sich ihrer begrenzten Lebenszeit bewusst sind, keine schnellen Antworten auf ihre Fragen suchen, sondern in den Gesprächen das Bedürfnis haben, gesehen, gehört und angenommen zu werden.

Sein Buch bietet dementsprechend viele Anregungen, um 
Gespräche mit Menschen am Lebensende aus einer umsorgenden und beruhigenden Haltung heraus zu führen. Neben den Worten findet dabei auch die Stille ihren Raum: Was ist noch wichtig zu sagen, und wo tut es gut, gemeinsam zu schweigen? Wie kann ich selbst das Schweigen meines Gegenübers aushalten? Und wie gelingt es, dabei präsent anwesend zu sein?
 
Da am Lebensende aber nicht nur einfühlsame Gespräche, sondern auch eine klare Orientierung über die einzelnen Versorgungsmöglichkeiten wichtig ist, gibt Matthias Wiemer auch hierzu noch Impulse: Wie kann ich einem Menschen erklären, dass nun eine palliative Begleitung ansteht? Wie beschreibe ich einfühlsam den Aufenthalt in einem Hospiz?
 
Zum Schluss nimmt der Autor noch die Menschen im nahen Umfeld des Sterbenden in den Fokus und thematisiert, wie man z. B. mit Kindern über den Tod sprechen kann, welche wichtige Rolle eine Reinigungskraft im versorgenden Netzwerk spielen kann und wie eine gute Selbstfürsorge aussieht.
 
Das Buch ist sehr praxisorientiert, liefert aber auch das notwendige theoretische Hintergrundwissen. Konzipiert wurde es für Fachkräfte, Ehrenamtliche und Angehörige. Es ist leicht zugänglich, inspirierend und macht Mut. Es ist eine Einladung, nicht nach den perfekten Sätzen im Gespräch zu suchen, sondern nach der inneren Haltung, damit Würde spürbar bleibt.
 
Matthias Wiemer: Gesprächsgestaltung am Lebensende. Worte finden, wo es still wird. Der hospiz verlag, Stuttgart, 2026, 19,80 €.
 
Text: Simone Böhnert